Sonntag, 19. November 2017

Pilzglück deluxe

Eigentlich kommt dieser Post viel zu spät. Warum? Weil leider die Saison der Reizker fast vorbei ist. Sie mögen keinen Frost und den gab es mittlerweile doch schon in fast ganz Deutschland. 

Aber was sind Reizker eigentlich? Der Reizker ist ein sehr leckerer Speisepilz, den es unter Fichten, Kiefern oder auch Tannen zu finden gibt (Mykorrhizapilz). Es gibt verschiedene Unterarten, wie z.B. den Lachs-Reizker und den Edel-Reizker. Sie sind am häufigsten vertreten. Diese Pilze gehören alle zur Familie der Milchlinge. Sie "bluten" beim einschneiden karottenrot aus. 
Eine besondere Unterform ist der weinrote Kiefernreizker bzw. Blutreizker. Er liebt besonders kalkhaltigen Untergrund und ist sehr selten in Deutschland. Bei uns, welch ein Glück, wächst er aber besonders gut :). Seine Milchfarbe ist ein dunkles weinrot.


Übrigens schmecken alle Reizker-Sorten ganz unterschiedlich.

Besonders lustig ist, dass sich der Urin beim Verzehr von diesen Pilzen rot verfärbt. Das ist völlig normal. Also nicht erschrecken. Unsere Nieren können den Farbstoff nicht abbauen bzw. ausfiltern und über den Urin wird er dann ausgeschieden.

Gestern waren wir also das letzte mal auf Reizker-Tour. Wider Erwarten kamen wir mit vollen Körbchen nach Hause. Die Freude war groß. Hatten wir doch vor vier Wochen die Reizkerernte zum ersten mal in Öl eingelegt und diese Woche das "Probeglas" geöffnet. Sowas von gut!
Vorenthalten wollte ich euch das leckere Rezept nun trotz endender Reizker-Saison aber nicht. Vielleicht mögt ihr es einfach im nächsten Jahr ausprobieren. Es lohnt sich, denn die eingelegten Reizker schmecken sowas von genial. Fast wie ein gutes Stück Wildfleisch (weinroter Kiefernreizker) oder milder nach Kalbsfleisch der Edelreizker. Was sicher teilweise auch der Gewürzmischung mit anzurechnen ist. 

Aber ein bisschen "wild" 
dürfen Waldpilze ja auch schmecken, oder?


Eingelegte Reizker in Öl

Man braucht: 
Saubere und sterilisierte Gläser. Wir haben solche 500ml Honigläser mit TwistOff-Deckel genommen (die sammelt die Familie für uns). 
Sie fassen ca. 100ml Öl pro Glas, wenn die Pilze dicht ins Glas geschichtet sind.
Ganz genaue Angaben kann ich bezüglich der Menge nämlich gar nicht machen.
Wir hatten ca. 1200g geputzte Pilze und 4 Gläser.

In jedes Glas gebt ihr:
  • 1 Pimentkügelchen
  • 1 Wacholderkügelchen 
  • 8 Pfefferkörner
  • 1 Stück Zitronenschale-/Zesten (Bio-Zitrone)
  • 3 dünne Scheiben Knoblauch
  • 1 kleinen Zweig Rosmarin 
Was brauchen wir noch:
  • viele (mind. 1,5-2kg) gesäuberte, hübsche Reizker (Fichten, Edel...). Wenn sie zu groß sind, halbieren oder sogar vierteln. 
  • neutrales Öl (hier: Bratöl von Aln...), pro Glas ca. 100ml
Die Pilze werden nun gut, in ganz wenig Öl angebraten und in einer flachen Schale zu Seite gelegt. Schichtweise haben wir sie gesalzen und gepfeffert (frisch gemahlen).

Sind alle Pilze soweit fertig gebraten, erhitzen wir das Öl. Nicht zu heiß, sonst werden die Pilze frittiert ;). Durch die Hitze wollen wir den Geschmack besser aus den Gewürzen ziehen.

Nun schichtet ihr die Gewürze zusammen mit den Pilzen dicht ins Glas und füllt zum Schluss das heiße Öl auf. Vorsichtig arbeiten! Rand abputzen und Deckel drauf. Möglichst schnell abkühlen lassen. Geht im Herbst auf dem Balkon ganz super.

Die Pilze ziehen nun an einem kühlen Ort mindestens 4 Wochen. 



Die Pilze schmecken super auf einem Sandwich mit Grünkohlpesto, Rukolablätter und ein paar zusätzlichen frischen Zitronenzesten. Eine gute Portion frisch gemahlenem Pfeffer und etwas Fleur de sel ... mhhh!

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